Ausstellung (59).JPG

"An und für ICHS (50 Postkarten für Ludger Gerdes)", 2018.

Ausstellungsansicht aus "WIE MACHT MAN WIR?", Stiftung Kunstfonds, Brauweiler 2018. Mit im Bild: Arbeiten von Ludger Gerdes, Benjamin Mastaglio und Marlies Kuhn)

(Foto: Johanna Broziat)

"An und für ICHS (50 Postkarten für Ludger Gerdes)", 52-teilig, mixed media, 2018:

Doppelhaus 1.jpg
Doppelhaus2.jpg

Die Arbeit „An und für ICHS (50 Postkarten für Ludger Gerdes)“ wurde eigens für die Ausstellung „WIE MACHT MAN WIR?“ in den Archivräumen der Stiftung Kunstfonds in Brauweiler entwickelt. Die Arbeit besteht aus 49 DinA6-Formaten, einem Din lang-Format und zwei Bildern a 30x40cm. Die beiden größeren Bilder bilden die Eckposten in der Hängung, dazwischen hängen die 50 Kleinformate, die ich gerne als Postkarte an Ludger Gerdes geschickt hätte. Der Konjunktiv spielt als Möglichkeitsraum sowie als Irrealis, als Unmöglichkeit, eine wichtige Rolle in der Haltung der Arbeit.

Die „Karten“ sind in verschiedenen Techniken hergestellt: Es sind zum Teil von mir aufgenommene und nicht nennenswert nachbearbeitete Photographien, Aquarelle, Scherenschnitte, Collagen mit Zitaten (Text- und Bildzitate), eine Karte ist gestickt worden und eine genäht.

Alle den „Karten“ zugrunde liegenden Ideen haben einen mehr oder weniger direkten Bezug zu Gerdes´ Arbeit oder Lehre. Textzitate darin sind z.B. von Rilke, Benn, Elaine de Kooning, aber auch von Ludger Gerdes selbst. Vieles ist humorvoll und hätte den Zweck, ihm ein Schmunzeln abzuringen.

 

In der Arbeit „An und für ICHS“ thematisiere ich über das Format der Postkarte die besondere Kommunikationssituation, die in meinen Augen in dieser Ausstellung mit Ludger Gerdes gegeben ist. Kommunikation ist dabei grundsätzlich als Mittel zum „Wir“ gedacht, so wie es auch die Verwandtschaft der englischen Begriffe „communication“ und „community“ nahelegt.

Die Postkarte, die man in diesem Fall auch mit der lateinischen Bedeutung von „Post-“ als „Nachkarte“ verstehen darf, wird in unserer Gesellschaft meist als sporadischer Gruß verwendet. Im Gegensatz zu Briefen, die immer einen Briefwechsel nahelegen, kann die Postkarte auch unbeantwortet bleiben – was in diesem Fall ja zwangsläufig ist. Es ist dennoch kein „Postkartenmonolog“, da die zahlreichen Arbeiten und Texte von Ludger Gerdes sozusagen schon die Antworten inne haben. Die beiden Häuser außen symbolisieren den dialogischen Charakter einer Auseinandersetzung.

Das durchgängige Motiv dieser Arbeit könnte man als „Achse“ oder „Scharnier“ bezeichnen: Ein Aufeinandertreffen, das gleichermaßen Moment der Trennung und Begegnung bzw. Gleichheit und Verschiedenheit ist. Die Achse versinnbildlicht damit den Motor für Kommunikation überhaupt und lässt sich so auch als Grundmotiv eines aus Kommunikation entstehenden „Wir“ ausmachen.

Der Titel der Arbeit ist exemplarisch für mein Vorgehen in den einzelnen Bildern: „An und für ICHS“ benennt einerseits, dass die Bilder an Ludger Gerdes bzw. sein künstlerisches Ich in Mehrzahl adressiert sind und gewissermaßen eine Hommage darstellen. Andererseits muss man nur einen Buchstaben verschieben(bzw. wie um ein Scharnier drehen), und das allseits bekannte „An und für SICH“ entsteht, dass in wörtlicher Bedeutung das Für-sich-stehen der Arbeit dem Adressiert-sein entgegenstellt. In sprichwörtlicher Bedeutung lässt das „An und für SICH“, das synonym mit „gewissermaßen“ oder „im Grunde genommen“ verwendet werden kann, anklingen, wie diese Arbeit gemeint ist: Als Annäherung.

Maike Mastaglio

Ok2.jpg

Ausstellungsansicht aus "WIE MACHT MAN WIR?", Stiftung Kunstfonds, Brauweiler 2018.

Im Bild Arbeiten von Maike Mastaglio, Ludger Gerdes und Benjamin Mastaglio

(Foto: PRHS)